Tolkien deckt den Tisch: Kochbuch aus dem Reich der Fantasie


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Sie bevorzugen in der Regel sechs Mahlzeiten am Tag (ein zweites Frühstück kommt immer gelegen), sind besessen auf Festmahle und lassen sich mit gut gefülltem Bauch auf manch gefährliches Abenteuer ein: Die Hobbits und die anderen Helden aus den Fantasie-Welten von Tolkien, weithin bekannt aus der erfolgreichen „Herr der Ringe“-Trilogie. Kein Wunder also, dass ein eingefleischter Fan auf die Idee kommen konnte, sich von ihren Essgewohnheiten zu einem Kochbuch inspirieren zu lassen, einem fantastischen obendrein.

 

Das Kochbuch ist liebevoll illustriert

 

Fantastisch darf dabei übrigens durchaus doppeldeutig verstanden werden: Nicht nur die Rezepte von Robert T. Anderson, sondern auch die gesamte Umsetzung und die liebevolle Illustration dieses Werks sind einfach nur wunderbar. Und ganz nebenbei finden auch Fachfremde dank vieler Erläuterungen Zugang zum Reich Mittelerde, das Tolkien in zahlreichen Büchern zum Leben erweckt hat, allen voran eben in „Herr der Ringe“ und der „Kleine Hobbit“. Die Erzählungen, die sich darum ranken, waren die Hauptinspirationsquelle für Autor Robert Tuesley Anderson, der selbst kleinste Details in Tolkiens Werk aufgespürt und in sein Kochbuch hat einfließen lassen. 

So folgt bereits die Gliederung dem Tagesablauf der Hobbits: Es finden sich Rezepte für Frühstück, zweites Frühstück, „Elevenses“, Mittagessen, Teezeit und Abendessen. Dabei räumt Anderson ein, es sei unter Tolkien-Fans durchaus umstritten, ob „Elevenses“ und das reguläre zweite Frühstück das gleiche seien und wie man genau auf sechs Hobbit-Mahlzeiten pro Tag komme. Seine Elevenses orientieren sich jedenfalls am klassischen englischen Begriff für späte Vormittagssnacks um 11 Uhr. Dass Bilbos zweites Frühstück erst um halb elf beginnt und sich mit den Elevenses überlappen dürfte, muss uns nicht weiter stören. „Was wirklich zählt, ist, dass Hobbits gerne essen … viel essen“, schreibt Anderson. 

Die Rezepte selbst sind eine bunte Mischung aus mediterran angehauchten Speisen, süßen Leckerbissen und Kuchen sowie exotischen Kreationen, die sich direkt an der literarischen Quelle orientieren. So gibt es zum Frühstück beispielsweise klassischen Porridge ebenso wie Beorns Honigkuchen, das zweite Frühstück listet neben Dracheneiern und Spinat-Süßkartoffel-Bratlingen beispielsweise Dattel-Sesam-Riegel, während besagter Vormittagssnack aus Pilzen im Teigkessel, süß-sauren Gurken oder Gerstenmann Butterblumes Brombeertarte bestehen kann. Zu Mittag gibt es dann Fledermausflügel aus dem Düsterwald oder Seeteufel-Garnelenspieße aus Umbar (oder doch lieber nur einen leichten Salat mit Birnen und Walnüssen?). Kuchen lockt zur Teezeit, Pilz-Lauch-Pie vom Gasthaus „Zum grünen Drachen“ oder Lammbraten mit Wacholder zum Abendessen. Und nicht zuletzt geht Anderson auch der Trinkkultur in Mittelerde auf den Grund. Ihr darf man sich mit Athelas-Tee, Met, dem Ork-Getränk und weiteren Drinks mehr nähern. Übrigens hat sich Anderson sogar Gedanken über die besonderen Ernährungsformen in Mittelerde gemacht. Er sinniert über Unterschiede von Elben- und Hobbitessen, stellt fest, dass „ein paar post-mittelalterliche Grundnahrungsmittel“ wie Zucker und Tomaten in MIttelerde überhaupt nicht auftauchen, während andere wie Kartoffeln, Tee, Kaffee und Pfeifenkraut (Tabak) dagegen „sehr präsent“ sind. Außerdem beobachtet er, dass Tom Bombadil und seine Frau Goldbeere offenbar Vegetarier sind. Hätten sie sonst den Gefährten Frodo, Sam, Merry und Pippin nach dem stressigen Abenteuer im Alten Wald nicht einen kräftigen Braten statt des Menüs aus Sahne, Honigwaben, Weißbrot, Butter, Käse und Milch sowie Kräutern und Beeren aufgetischt? Und auch die legendären Festmahle beleuchtet er in flüssigem Schreibstil.

Kurz: Wer das Reich Mittelerde und seine Helden liebt, muss dieses hintergründige und wunderschön aufbereitete Kochbuch mit den vielen leckeren Rezepten einfach haben. Wer Frodo und Co. noch nicht kennt, aber auch. (wig)  

Weitere Buch-Tipps gibt es übrigens hier.

„Das große Kochbuch inspiriert von Tolkiens Legenden“

von Robert Tuesley Anderson

Hölker Verlag, 2020

176 Seiten

reich und farbig illustriert

24 Euro

Internetadresse:

Hölker Verlag