Rumänien: Einblicke in eine unbekannte Kochtradition


Rumänien

Rumänien ist für viele Menschen hierzulande ein noch ziemlich unbekanntes Terrain. Vielleicht hat man schon mal von Transsilvanien, den Karpaten, der Moldau, der Bukovina oder dem Donaudelta gehört. Es ist eben kein Urlaubsland und so kennt man es – im Gegensatz zu vielen anderen europäischen Staaten – auch nicht aus dieser Perspektive.

Rumänien, das Land zwischen Ungarn, der Ukraine, der Republik Moldau, dem Schwarzen Meer, Bulgarien und Serbien, ist ein Land voller Gegensätze. Mit ihren rund zwei Millionen Einwohnern ist die Hauptstadt Bukarest die sechstgrößte Stadt in der Europäischen Union, im Land selbst stellt sie das industrielle und kommerzielle Zentrum dar. Doch schon wenige Kilometer außerhalb finden sich auch die vielen ländlichen Regionen, in denen die Menschen wie vor 100 Jahren leben und arbeiten, ohne Elektrizität und fließendes Wasser.

Rumänien ist ein Schmelztiegel

Über viele Jahrhunderte wanderten Menschen aus verschiedensten Regionen Europas ein. Und die wechselhafte Geschichte hat das Land zu einem Schmelztiegel europäischer Kulturen werden lassen. Was sich nun vielseitig und eindrucksvoll in der rumänischen Küche widerspiegelt. Sie vereinigt griechische, türkische und slawische Einflüsse im Süden und Osten mit österreichischen, ungarischen und siebenbürgisch-sächsischen im Norden und Westen. Und in genau diese Küche entführt Irina Georgescu mit ihrem Kochbuch „Carpatia“. Die gebürtige Rumänin, aufgewachsen in einem trostlosen Wohnblock im kommunistischen Bukarest, lebt heute in Großbritannien, wo sie Kochunterricht gibt. Sie ist jedoch geprägt von der damaligen eher rustikalen Küche – mit Gerichten, die sich leicht zubereiten lassen, satt machen und haltbar sind. Und so verwundert es nicht, dass sie zum Beispiel Bors und Ciorba (Suppen mit säuerlicher Note) allein eines der sechs Kapitel widmet. Das Säuerliche kommt entweder von fermentiertem Weizen oder von Essig oder unreifen Sommerfrüchten. Diese Suppen gibt es in vielen Variationen mit Schweinefleisch, Salat, Omelette oder auch Sauerkraut, je nach Jahreszeit. Das Buch liefert das Grundrezept und alle möglichen Variationen (mit Limabohnen oder eingelegter Paprika), sodass man sich nach Herzenslust austoben kann.

Traditionell kommen oft Eintöpfe auf den Tisch

Als herzhaftes Hauptgericht kocht man traditionell gerne Eintöpfe und diese werden häufig mit Obst wie Äpfeln oder Quitten kombiniert. Die wichtigsten Fleischsorten in der rumänischen Küche sind laut Georgescu Huhn und Schwein aber auch Fisch spielt eine Rolle, sowohl Süßwasserfische aus den Karpaten als auch Salzwasserfische aus dem Schwarzen Meer. Das Nationalgericht in Rumänien sind Sarmale, kleine Kohlrouladen. Die wie Sauerkraut eingelegten Kohlblätter werden mit Hackfleisch gefüllt und in einer Tomatensoße geschmort, dann mit Maisgrieß und einem Klecks Sahne serviert. Beliebt sind aber auch saisonale Varianten mit Wein-, Meerrettich-, Linden- oder Akazienblättern, gefüllt mit Klebreis oder Sultaninen. Oder sogar Fisch, der in ausgehöhlten Kürbissen gebacken wird.

Ob Bulz (gebackene Polentabällchen mit Joghurt), Pita cu cartoffi (Kartoffelbrot in Kohlblättern), Perlgraupen-Pilaw mit Hähnchen, Makrelen-Bouillabaisse, Kürbis-Karamellcreme oder ungarische Dobos-Torte: Die Reise durch die eher schlicht aufgemachte, aber sehr schön fotografierte Rezeptsammlung macht Spaß und animiert Hobbyköche, die neugierig sind auf eine eher unbekannte Küche, sicher zum Nachkochen. (cro)

So vielseitig wie die Küche: die Landschaft Rumäniens. (Foto: Serban Draghici/Alamy Stock Photo)

„Carpatia – Eine kulinarische Reise durch Rumänien“

Irina Georgescu

Ars Vivendi Verlag, 2020

224 Seiten

26 Euro