Leckere Unkrautbekämpfung


Unkraut

Aufessen statt Ausreißen – geht so etwas bei Unkraut überhaupt? Die Definition ist zunächst sperrig: Als Unkraut bezeichnet man laut Wikipedia „Pflanzen der spontanen Begleitvegetation in Kulturpflanzenbeständen, Grünland oder Gartenanlagen, die dort nicht gezielt angebaut werden und aus dem Samenpotenzial des Bodens, über Wurzelausläufer oder über Zuflug der Samen zur Entwicklung kommen.“ Kurz das Beikraut, Wildkraut oder die Kulturpflanzenbegleiter sind in der Regel unerwünscht, weil sie sich dort breitmachen, wo eigentlich Nutzpflanzen wachsen sollen, und mit ihnen um Licht, Wasser und Nährstoffe konkurrieren. Im Kleinen wird Unkraut daher meist gejätet, im großen Stil mit sogenannten Pflanzenschutzmitteln, also der Giftkeule, bekämpft. Dabei sind die Beikräuter zweifellos ebenfalls Pflanzen, mitunter sogar nützliche Futterpflanzen für Insekten und Vögel, und in vielen Fällen nicht nur essbar, sondern auch gesund für uns Menschen.

Unkraut oder Wildkräuter?

So stehen auch die Autorinnen Susanne Hansch und Elke Schwarzer eher auf dem heute oft propagierten Standpunkt, dass es eigentlich überhaupt kein Unkraut, sondern höchstens Wildkräuter gibt, die – zugegeben – wagen, an der falschen Stelle zu wachsen. Mit viel Humor und noch mehr Kräuterwissen erklären sie deshalb, was zu tun ist, wenn Gänseblümchen und Giersch weg müssen: einfach aufessen!

„Erstaunlich viele Pflanzen, die den Garten in Eigeninitiative erobern, eignen sich vorzüglich als Wildgemüse – wenn das nicht ein unschätzbarer Bonus ist. Wo das Grünzeug nun schon mal in Mengen da ist, bietet sich eine kulinarische Nutzung geradezu an“, finden die Diplom-Biologin, Bloggerin sowie Gartenbuchautorin Schwarzer und die Volkskundlerin Hansch. Als Vorteile listen die beiden, dass die essbaren Pflanzen doch ganz ohne große Mühen und „Betüdeln“ eh schon im Garten wachsen – eine leichte Ernte also. „Während wir uns um unser Gemüse bemühen und es gegen allerhand Fressfeinde verteidigen müssen, rühren die Schnecken die Spontanflora meist gar nicht an, sie ist robust und gesund.“ Außerdem sei sie stets zur Hand – „frischer und vitaminreicher geht es nicht.“ Um diese Vorteile nutzen zu können, gilt es natürlich, das Essbare erst einmal zu erkennen. Dazu haben die Autorinnen den wichtigsten Wildkräutern eigene Porträts gewidmet, aus denen auch Nutzungsmöglichkeiten über die kulinarische hinaus hervorgehen. So ist Beinwell etwa als nährstoffreicher Mulch praktisch, und daraus lässt sich wie aus der Brennnessel eine Jauche als nützlicher Gartenhelfer herstellen.

Das Buch bietet teils raffinierte Rezepte

Dass das Buch kurz nach Erscheinen ausgezeichnet worden ist und zum Spiegel-Bestseller avancierte, verdankt es aber vor allem den überaus leckeren, teils raffinierten Rezepten, angefangen beim Gundermann-Aromakick für Spargel über Béchamelkartoffeln mit Vogelmiere und wildes Gomasio bis hin zum gesunden Rotklee-Risotto. Wer weiß, vielleicht will mancher Leser die pflanzlichen Protagonisten nach dem Probieren der Rezepte auch überhaupt nicht mehr loswerden … (wig)

„Der Giersch muss weg! 28 Unkräuter bekämpfen oder einfach aufessen“

von Susanne Hansch, Elke Schwarzer

Ulmer, 2019

128 Seiten

16,95 Euro