Lang ist die (Erfolgs-)Geschichte des Korkens. Schon die Phönizier und Etrusker sollen vor gut 2.500 Jahren ihre Amphoren damit verschlossen haben. Doch erst Ende des 17. Jahrhunderts, als der Benediktinermönch und geniale „Kellermeister“ Dom Pérignon (1639–1715) aus der Champagne den bis dahin bei Schaumweinflaschen üblichen Stopfen aus Holz durch Kork ersetzte, entwickelte sich dieser zum lange unumstrittenen Weinverschluss, zum Symbol edler Getränke. Denn er allein lässt einen minimalen Austausch mit der Umgebungsluft zu und den Wein ideal reifen.

Doch gut 250 Jahre später wurde die Qualität bei der Korkherstellung durch die stets wachsende Nachfrage vernachlässigt. Immer häufiger traten Misstöne, also Weinfehler, auf. Die Folge, wer kennt das nicht: Ein gemütlicher Abend mit Freunden, gutem Essen – und einer Flasche Wein, der ein dezentes, lusterweckendes „Plopp“ entlockt wird. Doch statt nach feiner Frucht riecht der nicht gerade günstige Wein muffig – was im Volksmund allgemein mit „korkig“ bezeichnet wird.

 

Korken sollen den Wein nahezu luftdicht verschließen

 

Schuld an dem fiesen Geruch ist 2,4,6-Trichloranisol (kurz TCA), eine erstmals 1982 identifizierte chemische Verbindung, die durch das Zusammenwirken von Chlor, Phenolen und Mikroorganismen (Schimmelpilze) entsteht. Im Kontakt mit Alkohol wird TCA flüchtig – und löst im Wein diesen unangenehmen Geschmack aus. Schnell gerieten Alternativen wie Press-, Silikon- und Glaskorken sowie Drehverschlüsse aus Metall ins Blickfeld der Weinindustrie. Für Fachleute kommen gepresste Korkreste oder Imitate qualitativ aber nicht annähernd an einen guten Naturkorken heran. Traditionalisten wiederum haben Drehverschlüssen und Glaspfropfen gegenüber prinzipielle Vorbehalte. Obwohl beide Varianten ihrer Aufgabe, den Wein nahezu luftdicht zu verschließen, bestens nachkommen, nun auch ästhetisch anzuschauen, einfacher zu öffnen (und zu schließen), teilweise wiederverwertbar und sogar preislich im Vorteil sind. Experten weisen zudem darauf hin, dass der oft als „Korkschmecker“ bezeichnete Fehlton auch andere Ursachen haben kann als „nur“ den Flaschenverschluss. Weitere TCA-Quellen können nämlich auch etwa Schläuche, Fässer, Tanks, Pumpen, Filter oder Holzpaletten sein, die in der Kellereiwirtschaft eingesetzt werden und mit chlorhaltigen Reinigungs- und Desinfektionsmittel in Berührung kommen.

Die Diskussion um den optimalen Weinverschluss, die anscheinend nirgendwo auf der Welt so intensiv geführt wird wie in Deutschland, dürfte also weitergehen. Aussterben wird der Naturkorken zumindest nicht. Laut aktuellen Zahlen des Deutschen Korkverbands (DKV) sind von den 18 Milliarden Verschlüssen, die weltweit jährlich produziert werden, immer noch zwei Drittel aus dem nachhaltigen Material – Tendenz wieder steigend. Hochwertige Weine, die sich entfalten und mit den Jahren reifen sollen, werden von ihren Machern weiterhin mit besten, wenn auch teuren Naturkorken veredelt. Insbesondere bei Weißweinen jedoch, die von ihrer Frische, ihrer Spritzigkeit und flüchtigen Geschmacksaromen leben und eher jung getrunken werden (müssen), kommen jetzt schon oft die 60 Millimeter langen, edel wirkenden Schraubverschlüsse, sogenannte Longcaps, zum Einsatz. So bleibt das Fazit: Am besten schmeckt ein Wein sowieso erst, wenn er geöffnet wurde …

 

Diese und viele weitere Trends sind immer wieder ein Thema im Gastroguide espresso.

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