Gemahlener Kaffee, ein Papierfilter und ein Halter aus Porzellan sowie heißes Wasser – was soll am Aufbrühen trendig und hip sein? Melitta Bentz hat diese Zubereitungsmethode immerhin schon vor mehr als 100 Jahren erfunden. Und Oma hat früher so den Koffeinkick für das Kaffeekränzchen auf den gedeckten Tisch gebracht. Aber die Zeiten haben sich tatsächlich geändert. Heute geht es um Kontrolle und ungewöhnliche Geschmackserlebnisse.

Third-Wave-Coffee hat dem Brühkaffee zu einer Renaissance verholfen

In hippen Brew-Bars feiert diese Zubereitungsart eine Renaissance, die Einflussfaktoren werden akribisch optimiert und mit viel Leidenschaft zur Kunstform erhoben. Die passende Wassertemperatur wird genau ausgelotet. Zum Einsatz kommt auch eine Waage mit Stoppuhrfunktion, um Menge und Durchflussgeschwindigkeit genau im Auge zu behalten. Oma hätte wohl spätestens an dieser Stelle ungläubig dem Kopf geschüttelt. Auch die Wahl des Wasserkessels ist eine Wissenschaft für sich. Unterschiedlich geformte Hälse sorgen für bestimmte Fließeigenschaften, um das heiße Wasser tröpfchenweise in kreisenden Bewegungen mit dem gemahlenen Kaffee zu vermischen. Die Bohnen sind selbstverständlich frisch gemahlen, vakuumverpackte Pulverblöcke verpönt. Große Augen hätte Oma wahrscheinlich auch mit Blick auf die Ausrüstung gemacht, die Cafés für den sogenannten Third-Wave-Coffee auffahren. Japan hat den Trend entscheidend mitgeprägt, Firmen wie Hario oder Kalita verwenden edelste Materialien – Olivenholz für die Glaskannengriffe oder teures Kupfer für Wasserkessel und Filterhalter. Ohne ein bisschen Marketing und Exklusivität kommt eben keine Renaissance aus. Was zählt ist die Leidenschaft beim Zubereiten von Kaffee, das schmeckt auch Oma.

Diese und viele weitere Trends sind immer wieder ein Thema im Gastroguide espresso.

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